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Adoption oder Leihmutterschaft?

Leihmutterschaft Spermien Eizellen Künstliche Befruchtung

Der Wille kann Berge versetzen – und auf dem Weg zur Erfüllung des Kinderwunsches wird vieles möglich gemacht. Der Markt für „Leihmutterschaften“ wächst stetig. In Deutschland ist dieses Verfahren aber verboten.

Für die meisten Paare ist es immer noch die größte Erfüllung: der gemeinsame Nachwuchs. Wenn sich dieser aber partout nicht einstellt, werden andere Wege zur Verwirklichung dieses Wunsches gesucht. Die bekannteste Variante ist die Adoption. Durch den medizinischen Fortschritt gerät aber auch immer mehr die sogenannte „Leihmutterschaft“ in den Fokus der Aufmerksamkeit von Paaren, denen auf „normalem“ Wege gemeinsame Kinder verwehrt geblieben sind. Nicht zuletzt sind Aufwand und Dauer des Adoptionsverfahrens Gründe, die letztgenannte Variante zur Erfüllung des Kinderwunsches zu wählen. In der Regel weniger als 1.000 Kinder und Jugendliche sind jährlich für eine Adoption vorgemerkt. Damit kommen in Deutschland auf ein Kind rund zehn Bewerber. Gleichzeitig hat sich in den letzten 20 Jahren die Zahl der Adoptionen in Deutschland insgesamt mehr als halbiert. Im Jahr 2012 kam es in Deutschland nur noch zu 3.886 Adoptionen, sicher auch ein Ergebnis des demografischen Wandels. Unter diesen Rahmenbedingungen müssen Paare, die sich für eine Adoption bewerben, mit drei bis fünf Jahren Wartezeit rechnen. Ursprünglich diente die Adoption Kinderlosen zur Beschaffung eines Erbens beziehungsweise zur Daseinssicherung im Alter. Dementsprechend war ursprünglich ein Mindestalter der Adoptiveltern von über 50 Jahren vorgesehen. Dieses Alter wurde aber sukzessive weiter abgesenkt bis zur Reform des Adoptionsrechts mit dem sogenannten „Adoptionsvermittlungsgesetz“ im Jahr 1976. Bereits drei Jahre zuvor war das Mindestalter auf den aktuellen Stand von 25 Jahre abgesenkt worden. Mit der Möglichkeit der Minderjährigen-Adoption und dem damit einhergehenden Erwerb der vollen Stellung als eheliches Kind auf allen Rechtsgebieten wurde die Grundlage für den gegenwärtigen status quo gelegt. Ausländische minderjährige Kinder beispielsweise erhalten dadurch die deutsche Staatsangehörigkeit wie ihre adoptierenden Eltern. Im Jahr 2004 wurden diese Möglichkeiten auch auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ausgedehnt. In Deutschland nehmen die Jugendämter die Aufgabe der Adoptionsvermittlung wahr. Sie überprüfen die Eignung der Bewerber für eine Adoption. Dabei werden im Wesentlichen die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Wohnsituation und be-stimmte psychologische Eignungskriterien, wie beispielsweise die Stabilität der Partnerschaft, überprüft. Darüber hinaus müssen Bewerber ein polizeiliches Führungs- und ein Gesundheitszeugnis beibringen. Kinder können in Deutschland von ihren Eltern frühestens acht Wochen nach der Geburt zur Adoption freigegeben werden. Hierzu bedarf es einer notariellen Einwilligungserklärung. Liegt diese vor, kann eine Adoption nicht mehr rückgängig gemacht werden. Auch das Kind muss einer Adoption zustimmen. Bei unter 14jährigen geschieht dies durch den bestellten Vormund beziehungsweise bei Amtsvormundschaft durch das entsprechende Jugendamt. Bei groben Verstößen gegen die elterlichen Pflichten kann ein Betreuungsgericht die Möglichkeit einer Adoption auch ohne elterliche Einwilligung beschließen. Diese Ausnahme griff in den letzten Jahren allerdings lediglich bei nur knapp fünf Prozent der Adoptionen. Bei der Adoption von Minderjährigen unterscheidet der Gesetzgeber die sogenannte Inkognito-Adoption, sowie die halboffene und offene Adoption. Die Inkognito-Adoption sieht einen einseitigen Schutz der Adoptivfamilie insbesondere vor dem Zugriff durch die biologischen Eltern vor, um so eine Störung der Beziehungen des Kindes zu seinen Adoptiveltern zu vermeiden. Diese Form der Adoption findet allerdings kaum noch statt, höchstens in den Fällen, in denen die leiblichen Eltern insgesamt anonym geblieben sind, weil die Kinder anonym zur Welt gebracht oder in eine sogenannte „Babyklappe“ gelegt wurden. Letztendlich haben adoptierte Kinder spätestens ab dem 16. Lebensjahr das Recht auf Einsicht ihrer Geburtsunterlagen und damit auf alle Fälle den Namen der leiblichen Mutter zu erfahren. Bei halboffenen Adoptionen besteht der mittelbare Kontakt zwischen Kind und leiblichen Eltern beispielsweise in Briefform über die vermittelnden Stellen beziehungsweise Jugendämter, während bei der offenen Adoption unmittelbarer Kontakt zwischen leiblichen Eltern und Adoptiveltern sowie dem entsprechenden Kind existiert. Die häufigste Art der Adoption in Deutschland ist aber nach wie vor die Stiefkindadoption. Sie machen rund die Hälfte der Adoptionen aus. Dabei ist der Annehmende mit einem leiblichen Elternteil des zu adoptierenden Kindes verheiratet. Auch hierzu ist allerdings die Zustimmung beider leiblicher Elternteile notwendig. Der einfachste, nicht aber unbedingt der schnellste Weg, sich den Kinderwunsch doch noch erfüllen zu können, ist die Auslandsadoption. In einigen Ländern fordern die dortigen Behörden einen schriftlichen Nachweis zur rechtlichen Adoptionsfähigkeit ein. Dieser kann bei der Bundeszentrale für Auslandsadoption beantragt werden. Hierbei handelt es sich aber nicht um eine Eignungsbescheinigung, sondern nur um eine Bestätigung, dass die beantragenden Personen die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen.

„Leihmutterschaft“

Ein anderer Weg, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut, sich doch noch den Kinderwunsch zu erfüllen, ist eine „Leihmutterschaft“. Eine Möglichkeit ist hierbei, dass eine Spendereizelle einer Frau mit Kinderwunsch eingesetzt wird. Wenn auch für die Variante die biologischen Voraussetzungen fehlen, können einer „Leihmutter“ die Eizelle einer dritten Spenderin und die Samenzellen des Mannes eines Paares, das auf diesem Weg zu Nachwuchs kommen möchte, eingesetzt werden. In Deutschland ist dieses Verfahren verboten. Menschen, die „Leihmutterschaften“ organisieren oder Ärzte, die in diesem Zusammenhang begleitend tätig werden, müssen mit empfindlichen Haftstrafen rechnen. Ausländische Geburtsurkunden, auf denen sich dann die „Wunscheltern“ eintragen lassen, werden hier nicht anerkannt. Mit dieser Rechtsauffassung soll verhindert werden, dass Kinder zu „käuflicher Ware“ degradiert werden. Außerdem geht es auch um den Schutz der Mutter, die sich bereits vor der Geburt zur Abgabe ihres Kindes verpflichtet und dabei gegebenenfalls die sich im Zuge der Schwangerschaft entwickelnde emotionale Bindung zum Kind unterschätzt haben. Psychische Verwerfungen können bei einer späteren Abgabe des Kindes die Folge sein. Gleichwohl erfreut sich das Verfahren der „Leihmutterschaft“ zunehmender Beliebtheit. In der Ukraine ist dies für einen Preis von unter 10.000 Euro möglich. Auch Indien spielt in diesem Markt eine gewichtige Rolle. In den USA kann der Kinderwunsch ebenfalls über „Leihmütter“ verwirklicht werden; hier müssen allerdings mehr als 50.000 Euro eingeplant werden. Die Rechtsprechung hat auf die Wirklichkeit reagiert. Ein homosexuelles Paar hatte ein Kind in Indien austragen lassen. Die deutschen Behörden verweigerten zunächst sowohl die deutsche Staatsbürgerschaft als auch die Anerkennung der Vaterschaft des Partners, der die Samen gespendet hatte. Das Oberlandesgericht Düsseldorf, vor dem das Paar dann klagte, hielt die Vaterschaft aber für erwiesen. Der Samenspender wurde als Vater ins Geburtenregister eingetragen, das Kind erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft. Für dieses Paar wäre der Kinderwunsch in der Ukraine nicht erfüllbar gewesen, weil dort homosexuelle Paare ausgeschlossen sind. Allerdings haben dortige Agenturen auf die deutschen Bedürfnisse reagiert. Die Paare, die sich einen Kinderwunsch durch eine „Leihmutter“ erfüllen wollen, müssen verheiratet und die ukrainische „Leihmutter“ ledig sein. Nach der Geburt beantragt der Samenspender die Vaterschaft, die mit Zustimmung der „Leihmutter“ von den deutschen Behörden anerkannt wird. Die Ehepartnerin kann später dann das Kind adoptieren. Auch wenn damit die Realität den Gesetzgeber überholt, und die Rechtsprechung von dieser zumindest eingeholt worden ist, sieht es derzeit nicht nach einer Legalisierung des Verfahrens einer „Leihmutterschaft“ aus. Zu groß sind die Bedenken, dass hier teilweise undurchsichtige Ge­schäftsmodelle sich die Not von Frauen in ärmeren Gesellschaften zu Nutze machen.

Beratung und Vermittlung

PFAD Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V.
Oranienburger Straße 13-14
10178 Berlin
Telefon 030/94879423

Bundeszentralstelle für Auslandsadoption
Adenauerallee 99-103
53094 Bonn
Telefon 0228/99410-5402

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