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Familienrituale stärken das Wohlbefinden

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Guten Morgen kleine Sonne!“ Die Mutter steht am Bett ihres Kindes und weckt es auf. Jeden Morgen mit den gleichen Worten. Ihr fünfjähriger Sohn schaut sie an, reibt sich müde die Augen und kann gar nicht anders: er lächelt, fast jeden Morgen. Er genießt es, immer auf diese Weise aufzuwachen, die vertraute Stimme seiner Mutter zu hören. Es ist für ihn ein Ritual, dass ihm Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Rituale sind einfache, sich wiederholende Handlungen, die nach vorgegebenen Regeln ablaufen und einen eindeutigen Anfang sowie ein eindeutiges Ende haben. So wie die Mutter dem Kleinen noch einmal über den Kopf streicht und dann in die Küche geht, um das Frühstück vorzubereiten. Familienrituale erleichtern Kindern und Eltern den Alltag, helfen den Tagesablauf zu strukturieren. Es sind kleine vertraute Inseln der Ruhe, die im heute oft hektischen Alltag, auch wenn sie nur kurz sind, Zeit zum Luftholen lassen und kleine Liebeserklärungen an die Kinder sind. Wenn Eltern sich in Gesten und Ritualen intensiv ihren Kindern widmen, zuverlässig für sie da sind, können diese leichter Schwung holen, um die nächsten Entwicklungshürden zu überwinden.

„Wir haben dich lieb“

Rituale bieten Gelegenheiten, bei denen die Familie intensiv Zeit miteinander verbringen kann. Es sind bestimmte Abläufe im Alltag, liebgewonnene kleine Zeremonien, Gewohnheiten, die allen Beteiligten lieb und teuer sind. Das Wichtige ist: Bei täglichen Ritualen wird dem Kind die ganze Aufmerksamkeit der Eltern zuteil. Darauf können sich Kinder und Eltern freuen, es gemeinsam vorbereiten und genießen. Es ist eine Zeit intensiver Zuneigung, die dem Kind unmissverständlich sagt: „Wir haben dich lieb.“ Es entsteht ein Wir-Gefühl, der Familienzusammenhalt wird gestärkt. Welche Rituale vorgenommen werden, bleibt ganz alleine der Familie überlassen. Sie lassen sich niemandem überstülpen, sondern entwickeln sich oft aus dem Familienleben heraus. Rituale müssen zur Familie passen und nicht umgekehrt. Wichtig ist, dass sie allen gefallen. Sie sollen keinen Zwang ausüben, sondern das Miteinander im Alltag bereichern.

Den Tag gemeinsam beschließen

Ein Ruhepool im Alltag kann zum Beispiel das gemeinsame Abendessen sein, bei dem sich die Familie trifft, sich über das, was jeder am Tag erlebt hat, austauscht, was prima und was weniger gut gelaufen ist. Gemeinsam kann man sich darüber Gedanken machen, was am kommenden Tag ansteht und den aktuellen Tag auf diese Weise in Ruhe ausläuten. Kindergarten- und Schulkinder haben Gelegenheit, über das zu sprechen, was sie erlebt haben und unverarbeitete Ereignisse zu sortieren. Nach dem Essen kann noch ein Spiel gespielt, ein kleiner Spaziergang gemacht oder auf dem Sofa gekuschelt werden. Anschließend beginnt das „Ins-Bett- Geh-Ritual“: Das Kind macht sich, je nach Alter mit oder ohne Hilfe, bettfertig: Es zieht seinen Schlafanzug an, putzt, wäscht Gesicht und Füße. Währenddessen schaltet ein Elternteil die Tischlampe ein. Sobald das Kind im Bett liegt, wird eine Gute-Nacht- Geschichte vorgelesen – die das Kind, je nach Alter, selbst aussuchen darf – ein Lied gesungen, eine Kassette gehört oder gebetet. Das Ritual kann mit dem klassischen Gute-Nacht-Kuss von den Eltern enden. Manche Kinder schlafen nicht gern, wenn der Raum komplett verdunkelt ist. In diesem Fall ist ein einfaches Nachtlicht hilfreich. Das gemeinsame Beschließen des Tages erleichtert Kindern, vom Tag Abschied zu nehmen, sie genießen die Wärme, die Stimmen ihrer Eltern, ihre Zuwendung und Zärtlichkeit. Das beugt schlechten Träumen vor und stärkt das Gefühl, im Leben geborgen zu sein.

Rituale sind immer wiederkehrende liebgewonnene Gewohnheiten, die den Alltag strukturieren und Kindern wie Erwachsenen Zeit zum Luftholen geben. Allabendliches Vorlesen zum Beispiel bietet Gelegenheit, intensiv Zeit füreinander zu haben.

Ein Stück Sicherheit

Besonders ängstlichen Kindern bieten Rituale Sicherheit. Gegen die Angst vor der Einsamkeit und der Dunkelheit kann schon das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ helfen oder die Geschichte einer guten Fee, die nachts bei den Kindern wacht. Wichtig ist: Familienrituale sind kein Zwang und nicht für die Ewigkeit bestimmt, sie können sich verändern, weil Gewohnheiten sich ändern und die Kinder älter werden. Gemeinsame Familienzeiten können auch für Heranwachsende ein wichtiger Ruhepunkt im Familienalltag sein.

Quellen & Infos: www.gesunde-familie.uni-ulm.de, www.eltern.t-online.de,

„Wie aus Kindern glückliche Erwachsene werden“, Prof. Gerald Hüther, Cornelia Nitsch, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2008

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