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Interview: Patchwork-Familie -„Ein Regierungswechsel ist nichts gegen unsere Ferienplanung“

Familie neue Partnerschaft mit Kindern Zusammenführung

Seit zwei Jahren leben Alexandra und Jörg zusammen. Mit dabei sind die drei Kinder der 46jährigen Assistentin in der Unternehmenskommunikation, Emil (15), Helene (12) und Alma (8), wobei der Junge und die beiden Mädchen jeweils aus einer anderen Beziehung stammen. Mit Jörgs Kindern Antonia (14) und Tobias (11), die jedes zweite Wochenende und die Hälfte der Schulferien mit ihnen verbringen, zählt die Patchwork-Familie sieben Köpfe.

Wie sehen Sie Ihre Rolle gegenüber den Kindern Ihres Partners und umgekehrt, Ihr Partner seine zu Ihren Kindern?

Ich sehe mich als gute Freundin, aber nicht als Mutter. Ich bin für Antonia da, wir reden über Frauenthemen wie Schminken oder Nägel lackieren. Aber sobald ich in eine Mutterrolle falle, ist das Antonia zu nah. Ich finde das sehr angenehm. Stiefkinder sind Kinder, die man nicht lieben muss, sondern lieben kann. Jörg kann sich täglich mit meinen Kindern beschäftigen, ihnen bei den Hausaufgaben helfen oder sie bauen gemeinsam einen Schreibtisch. Die Chance habe ich an den turbulenten Wochenenden, wenn wir zu siebt sind, nicht. Darauf bin ich manchmal neidisch.

Wer ist bei Ihnen für welche Kinder eher zuständig?

Wir unternehmen zwar vieles gemeinsam, aber jeder von uns erzieht primär seine Kinder und der andere unterstützt ihn dabei. Wenn Antonia oder Tobias zum Beispiel mal beim Tischabräumen nicht helfen, bitte ich Jörg, dass er sie ermahnt. Anfangs kam es vor, dass die Kinder sagten „Du hast mir gar nichts zu sagen, du bist schließlich nicht meine Mutter.“ Das hat wehgetan.

Welche Probleme gab es anfangs in Ihrer Patchwork-Familie und wie haben Sie diese gelöst?

Jörg fühlte sich zu Beginn bei uns als Gast. Außerdem hatte er Schuldgefühle seinen Kindern gegenüber, weil er mit meinen Kindern mehr Zeit verbrachte als mit seinen. Doch er hat zu Antonia und Tobias einen neuen Zugang gefunden; sie verbringen zwar weniger Zeit, diese aber intensiv miteinander. Das half, die Schuldgefühle abzubauen.

Vor welchen Herausforderungen standen/ stehen Sie als Paar mit einer Patchwork-Familie?

Die Akzeptanz nach außen war nicht einfach. Jörgs Familie hat sich schwer getan mit der Situation umzugehen. Seine Freunde, die er zuvor hatte, brachen fast alle weg. Die heilen Welten fühlten sich bedroht. Es ist auch schwierig, einen Freundeskreis zu pflegen. Es sind nicht so viele, die damit klar kommen, dass wir jetzt zu siebt sind.

Inwiefern haben Sie Ihre Ex-Partner mit einbezogen und kommen diese damit klar?

Von einbezogen kann man nicht sprechen. Nur mit dem Vater von Emil ist das Verhältnis jetzt sehr entspannt. Vor kurzem waren wir zu acht Tennis spielen. Emils Stiefschwester war mit dabei. Das war eine Premiere für uns alle. Ansonsten herrscht stillschweigende Akzeptanz. Die Mutter von Jörgs Kindern ist noch zu verletzt.

An welche Grenzen kommt jeder von Ihnen mit seinen Wünschen und Vorstellungen?

Es ist schwierig, alle Bedürfnisse aufeinander abzustimmen. Wir machen es jetzt so, dass jeder seine Wünsche auf einem Zettel notiert und jedes Wochenende einer gezogen wird. Mit der Organisation stoßen wir immer wieder an unsere Grenzen. Ein Regierungswechsel ist nichts gegen unsere Ferienplanung. Wir können auch nicht immer alles zusammen planen, etwa wegzufahren, so wie wir es wollen, weil die anderen Elternteile ja auch bestimmen. Und wir können uns nicht alles leisten. Flüge, gar ins Ausland, sind für uns nicht denkbar.

Worin sehen Sie den Vorteil einer Patchwork-Familie gegenüber der Traditionellen?

In einer Patchwork-Familie geht es sehr viel dynamischer zu, weil es ja immer variiert, welche Kinder weg oder da sind. Mal sind Jörg und ich auch allein. Dann freut man sich immer wieder neu auf die Kinder. Ein Vorteil ist auch, dass man durch den neutraleren Blick auf die Kinder des Partners eher Missgeschicke in seiner Erziehung sehen und ihm entsprechend Tipps geben kann.

Was ist Ihr Rezept für eine gelingende Patchwork-Familie?

Es ist wichtig, nicht so hohe Erwartungen an seine Rolle als Patchwork-Mutter oder -Vater zu haben und sich gegenseitig zu respektieren. Man muss selber ausloten, wie innig und nah der Kontakt zu den Kindern des anderen sein darf und offen dafür sein, vielleicht auch abgelehnt zu werden. Das ist nicht einfach.

Das Interview mit Alexandra führte Ute F. Wegner

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