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Kinderlähmung besiegen

Impfung bei Kindern Kinderlähmung Polioviren Schluckimpfung

Die Spätfolgen der Kinderlähmung, die in Europa seit 20 Jahren als besiegt gilt, soll bis 2018 weltweit ausgerottet sein. Der Welt-Polio-Tag am 28. Oktober erinnert an die Poliomyelitis genannte Erkrankung.

Polioviren waren ursprünglich weltweit verbreitet. Auch in Europa war die Verbreitung so stark, dass meist schon Kinder vom Erreger infiziert wurden. Beim überwiegenden Teil der Betroffenen verläuft die Infektion symptomlos. Bei rund fünf Prozent der Betroffenen kommt es allerdings nach gut einer Woche zu Symptomen wie Übelkeit, Fieber sowie Hals- und Kopfschmerzen. Bei rund einem Prozent der Betroffenen werden auch Zellen des Zentralnervensystems infiziert. Bei ihnen stellen sich nach etwa einer weiteren Woche Rückenschmerzen und Beschwerden wie ein steifer Nacken ein. Bei weniger als einem Prozent dieser Infizierten führt die Schädigung des Zentralnervensystems zu regelrechten Lähmungen beispielsweise der Arme und Beine oder aber der Bauch-, Rücken- und Augenmuskeln. Da bereits Kinder von dieser Infektion besonders betroffen sind und sich bei ihnen häufiger das starke Krankheitsbild – Experten sprechen von einer paralytischen Poliomyelitis – mit Lähmungen ausbildet, hat sich allgemein die Bezeichnung „Kinderlähmung“ eingebürgert.

Impfung ist der einzige Schutz

Das Poliovirus wird hauptsächlich fäkal-oral übertragen, man spricht hier von „Schmierinfektionen“. Schlechte hygienische Verhältnisse begünstigen daher die Übertragung der Viren. Die Inkubationszeit kann sehr stark variieren und beträgt drei Tage bis zu fünf Wochen. Um eine Erkrankung festzustellen, eignen sich am besten Stuhlproben oder Rachenabstriche. Das Poliovirus kann im Rachensekret frühestens nach einundeinhalb Tagen, im Stuhl nach drei Tagen festgestellt werden. Eine spezifische Therapie der Infektion mit Polioviren ist nicht möglich. Daher gibt es nur den präventiven Schutz durch eine entsprechende Impfung. Bis zu Beginn der 1960er Jahre kam es weltweit zu erheblichen Infektionen – auch in Deutschland. In den Vereinigten Staaten wurden deshalb bereits in den 1940er Jahren erhebliche Forschungsanstrengungen auf diesem Gebiet unternommen. 1955 wurde dann der Impfstoff, der von Jonas Salk entwickelt wurde, zugelassen. Albert Sabin entwickelte dann auf dieser Grundlage einen Lebendimpfstoff, der oral in Form der sehr populären Schluckimpfung verabreicht wurde. Der Slogan aus den 1960er Jahren lautete: „Kinderlähmung ist grausam – Schluckimpfung ist süß“. Die Impfkampagne war sehr erfolgreich, in Deutschland konnte der letzte Fall von Poliomyelitis 1990 erfasst werden. Allerdings kam es in den letzten Jahren in einigen Ländern wie Nigeria, Kongo, Tadschikistan, Pakistan und Indien immer wieder zu erneuten Ausbrüchen der Krankheit. Die zunehmende Mobilität von Menschen im Rahmen der Globalisierung unterstreicht die Notwendigkeit für eine Durchimpfung auch in Deutschland, um so einen Beitrag zum Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu leisten, bis 2018 das Poliovirus weltweit ausgerottet zu haben. Seit 1998 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), die orale Schluckimpfung aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen durch einen zu injizierenden Impfstoff zu ersetzen. In der Regel sollte die Polio-Impfung bereits mit der Grundimmunisierung ab dem dritten Lebensmonat erfolgen. Wird kein Kombinationsimpfstoff verwendet, sollten je nach Impfstoff zwei beziehungsweise drei Impfungen im ersten und zweiten Lebensjahr durchgeführt werden.

Spätfolgen der Kinderlähmung

Auch wenn durch die Impfung Kinderlähmung in Deutschland besiegt zu sein scheint, leiden immer noch viele Menschen unter den Spätfolgen der Krankheit. Denn häufig erst einige Jahrzehnte nach der eigentlichen Infektion kommt es zum sogenannten „Post-Polio-Syndrom“ (PPS). Erst seit einigen Jahren ist dieses Phänomen als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Hierbei handelt es sich um einen nahezu unaufhaltsamen Verschleißprozess. Die akute Krankheitsphase hatte bei einigen Betroffenen zum Absterben vieler Nervenzellen geführt, die verbliebenen Nervenzellen mussten die Steuerung der Muskelfasern zusätzlich übernehmen. Die daraus resultierende jahrelange Überbelastung sorgt dafür, dass auch die verbliebenen Nervenzellen ebenfalls absterben. Erschöpfung und Lähmungen sind die Folge. Der Welt-Polio-Tag, der jährlich am 28. Oktober, dem Geburtstag von Jonas Salk, dem Entdecker des Polio-Impfstoffs, stattfindet, soll den Betroffenen und ihren Leiden gebührende Aufmerksamkeit verschaffen. Gleichzeitig wird so noch einmal die Bedeutung eines entsprechenden Impfschutzes unterstrichen.

Quellen & Infos: www.rki.de; www.polio-selbsthilfe.net

Polio-Fälle in Deutschland:

Aufgrund der Impfungen stark rückläufig.

1950-1959 43.810

1960-1969 9.810

1970-1979 210

1980-1990 54

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