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Künstliche Befruchtung

Schwangerschaft Kinderwunsch Klinik

In Deutschland wurden 2011 laut Statistischem Bundesamt fast 663.000 Babys geboren. Etwa 15 Prozent der Paare bleibt ungewollt kinderlos. Ihnen kann eine künstliche Befruchtung helfen.

Es ist zum Verzweifeln: Freunde, Verwandte und Arbeitskollegen haben Kinder, in der Werbung strahlen kleine Wonneproppen um die Wette. Doch der eigene Wunsch nach Kindern bleibt unerfüllt. „Ein unerfüllter Kinderwunsch ist eine enorme Belastung für die betroffenen Männer und Frauen“, sagt Prof. Anke Rohde von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Die Ärztin leitet den Bereich Gynäkologische Psychosomatik am Universitätsklinikum Bonn. Das Selbstbewusstsein könne unter dem Eindruck des „Nichtfunktionierens“ erheblich leiden. Viele Paare denken dann schnell an eine künstliche Befruchtung in spezialisierten Kliniken. „Es gibt aber zahlreiche andere Möglichkeiten, die man ausprobieren kann“, meint Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte in München.

Optimale Spermien

Der erste Schritt hört sich fast banal an, ist aber effektiv: „Am besten beobachtet die Frau ihren Zyklus genau, damit man abhängig von der individuellen Zykluslänge ermitteln kann, wann der Eisprung stattfindet“, erklärt der Gynäkologe Albring. „Es kommt nämlich häufig vor, dass Paare sagen ,Wir probieren schon lange’, dabei aber nicht bedenken, dass sie nach einem Arbeitstag oft keine Lust mehr auf Sex haben und den Termin verpassen oder sogar nur eine Wochenendbeziehung führen.“ Entscheidend ist folglich der Geschlechtsverkehr in den Tagen um den Eisprung der Frau. Dabei ist aber darauf zu achten, vorher nicht zu häufig Sex miteinander zu haben, da es drei Tage dauert, bis beim Mann die optimale Spermienzahl gebildet wird. „In der fraglichen Zeit sollte man dann jeden zweiten Tag Verkehr haben“, rät Albring. Klappt es dann immer noch nicht, kann der Frauenarzt per Ultraschall überprüfen, ob überhaupt Eibläschen vorhanden sind. „Wenn nach einigen Versuchen der Erfolg ausbleibt, kann der Gynäkologe die Durchlässigkeit der Eileiter prüfen sowie bei der Frau eine Hormonanalyse und beim Mann ein Spermiogramm erstellen“, sagt Albring. Diese Schritte können noch beim Frauenarzt unternommen werden. Bei verheirateten Paaren übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Hilfe in Kinderwunschklinik

Ist dann noch immer kein Nachwuchs unterwegs, kann eine der zahlreichen Kinderwunschkliniken weiterhelfen. Auch in den Nachbarländern, wie zum Beispiel in Tschechien, haben sich Kliniken auf eine entsprechende Behandlung spezialisiert. Diese ist in der Regel etwas günstiger als hierzulande. „Wir versuchen beispielsweise, den Zyklus mit Hilfe von Hormonen zu stimulieren und somit zu optimieren“, sagt Christian Friedrich Stoll vom Kinderwunschzentrum Berlin. Sind beim Mann zwar Spermien vorhanden, aber laut dem Spermiogramm in der Qualität, ihrer Funktionsfähigkeit oder Beweglichkeit eingeschränkt, helfen Kinderwunschkliniken mit der so genannten Insemination. Dabei werden die besten Samenzellen mittels eines kleinen Schlauches direkt in die Gebärmutterhöhle eingebracht, erklärt Kinderwunsch-Experte Stoll. Die Erfolgsaussichten für eine Schwangerschaft liegen bei etwa fünf bis 15 Prozent pro Zyklus.

Künstliche Befruchtung

Seit der Zeugung des weltweit ersten Retortenbabys Louise Brown im Jahre 1978 können Ärzte Eizellen auch außerhalb des Körpers befruchten. Und die Erfindung des „Reagenzglasbabys“ hat seitdem viele Paare glücklich gemacht. Diese so genannte In-Vitro-Fertilisation (IVF) benutzen Mediziner bei bestimmten Fruchtbarkeitsproblemen der Frau wie zum Beispiel einem Eileiterverschluss. Hierfür wird zunächst mit Hormonpräparaten die Eizellreifung stimuliert. Die gereiften Eizellen werden anschließend abgesaugt, im Reagenzglas von den Samenzellen des Mannes befruchtet und der entstehende Embryo in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt. In einem alternativen Verfahren, der In-Vitro-Maturation (IVM), werden die Eizellen unreif entnommen und reifen im Labor, wodurch der Frau die Hormonbehandlung weitestgehend erspart bleibt. Ist die Samenqualität des Mannes schlecht, können sie auch direkt in die Eizelle injiziert werden. Diesen Vorgang nennt man Intrazytoplasmatische Spermien-injektion, kurz ICSI. Die Krankenkassen übernehmen aber nur einen Teil der Kosten und diese auch nur unter bestimmten Bedingungen. Erfolgreich sind die Versuche nicht immer, wie mehrere Studien belegen. „Die Wahrscheinlichkeit, durch so genannte künstliche Befruchtungsverfahren wie IVF oder ICSI schwanger zu werden, liegt im Durchschnitt bei 30 Prozent“, sagt Albring. Das bedeutet immerhin einen Erfolg bei einem Drittel der Paare. Bei der in Deutschland verbotenen Eizellspende trägt die Frau Eizellen einer Spenderin aus, die in der Regel vorher im Labor mit dem Samen ihres eigenen Mannes künstlich befruchtet wurden.

Kosten der Behandlung

Die Krankenkassen übernehmen 50 Prozent der Kosten einer künstlichen Befruchtung und beteiligen sich an maximal drei Versuchen. Der fällige Eigenanteil kann unter Umständen in der Steuerklärung als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Für beide Möglichkeiten der Kostenübernahme müssen Voraussetzungen erfüllt sein. Eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) kostet durchschnittlich zwischen etwa 3.000 und 3.600 Euro. In Deutschland müssen die Paare verheiratet sein, in einer tschechischen Klinik nicht. Zudem sind die Behandlungen dort günstiger. Aber: Die Kassen übernehmen diese Kosten nur, wenn auch dort die hiesigen Kriterien für eine Behandlung erfüllt werden. Zu Behandlungsbeginn müssen die Partner mindestens 25 Jahre alt sein, die Frau darf das 40. Lebensjahr, der Mann das 50. noch nicht vollendet haben. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (G-BA) in Berlin hat die Liste der Indikationen und weiterer Umstände, die die Kassen akzeptieren, festgelegt. Der Verband der Privatversicherer in Berlin übernimmt die Kosten nach G-BA ähnlichen Kriterien. Paare sollten sich, bevor sie sich für eine Behandlung entschließen, bei ihren Krankenkassen erkundigen.

Quelle: www.berlin.de

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