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Wochenbettdepression

Babyblues Wöchnerin Stimmungstief Hormonumstellung Geburt

Der große Tag ist da: die Geburt des eigenen Nachwuchses. Und nun erwarten alle eine freudestrahlende Mutter. Doch viele Mütter fühlen sich nach der Geburt zunächst traurig und niedergeschlagen. Bei einigen können „Heultage“ zu regelrechten Depressionen werden.

Trotz aller Geburtsvorbereitungen und Planungen während der Schwangerschaft: Muttersein lässt sich nicht üben. Und so fühlen sich viele Frauen nach der Geburt entgegen einer allgemeinen Erwartungshaltung energielos, sie sind depressiv verstimmt. Rund die Hälfte der Wöchnerinnen leidet unter dem sogenannten „Babyblues“. Verursacht wird dieses Stimmungstief durch die extreme Hormonumstellung im Körper. Denn etwa vier Tage nach einer Geburt fallen Östrogen- und Progesteronwerte im Körper ab, die Prolaktinproduktion für die Milchbildung nimmt dagegen zu. Normalerweise verschwindet der Babyblues aber nach ein paar Tagen wieder. Zehn bis 15 Prozent aller jungen Mütter warten in Deutschland allerdings zunächst einmal vergeblich darauf, dass die „Heultage“ vorübergehen. Stattdessen liegt der eigene Nachwuchs wie ein Fremdling in ihren Armen. Die jungen Mütter mögen nicht mit ihm schmusen, empfinden keine Liebe, sondern Gleichgültigkeit oder Ablehnung für das eigene Baby. Sie stillen mechanisch, fühlen sich ausgelaugt von der Geburt. Alles wird zu viel, irgendwann können sie kaum noch aufhören zu weinen. „Du musst überglücklich sein“, steht in den E-Mails der Freundinnen, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Gedanken kreisen permanent darum, keine gute Mutter zu sein, das Kind nicht richtig versorgen zu können. Ein Naturgesetz scheint aufgehoben.

Wochenbettdepressionen

Von einer Wochenbettdepression spricht ein Arzt erst dann, wenn ein vermeintlicher „Babyblues“ über zwei oder mehr Wochen anhält oder auch erst eine Woche nach der Geburt eintritt. Dabei treten die Symptome einer typischen Depression auf. Anfangs wird das schlechte Befinden noch auf den fehlenden Schlaf, die körperliche Umstellung oder die neue Rolle als Mutter geschoben. Tatsächlich hat die Wochenbettdepression aber meist mehrere Auslöser, die Umstellung der Hormone im Körper und viele andere Faktoren wie Angst, Überlastung, unbekannte Erfahrungen oder neue Aufgaben, durch die sich die jungen Mütter überlastet fühlen. Bei zehn Prozent der von einer Wochenbettdepression betroffenen Mütter werden die Depressionen sogar so schlimm, dass Ärzte dann von einer sogenannten Wochenbettpsychose sprechen. Sie tritt meistens innerhalb der ersten acht Wochen nach der Geburt auf und die Symptome werden beispielsweise verstärkt durch psychotische Störungen des Gedankengangs, Verfolgungswahn und Halluzinationen. Sie kann zu einer dramatischen Entwicklung führen und sogar Leib und Leben von Mutter und Kind gefährden. Bei Verdachtsmomenten sollte deshalb unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

RAT UND HILFE SUCHEN

Junge Mütter werden fast durchgängig als strahlende, fröhliche und glückliche Frauen präsentiert. Wenn eine Mutter allerdings Zweifel äußert, bedrückt oder depressiv verstimmt ist, wird ihr schnell nachgesagt, dass solche Gefühle nicht passend seien. Auf der einen Seite ist der gesellschaftliche Druck groß, deshalb trauen sich viele Frauen nicht, sich ihre Probleme einzugestehen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auf der anderen Seite erkennen auch Fachleute oftmals die Behandlungsbedürftigkeit nicht. Die Symptome werden falsch interpretiert oder herunter gespielt. Um depressive Reaktionen zu vermeiden, sollten die eigenen Erwartungen an die Mutterrolle nicht zu hoch gesteckt und das Bild der „glücklichen und sorglosen Mutter“, wie es zum Teil in der Öffentlichkeit vermittelt wird, nicht überbewertet werden. Zur Vorbeugung von Wochenbettdepressionen ist es wichtig, einen guten sozialen Rückhalt zu haben. Eine verstärkte Unterstützung durch den Partner und die Familie kann dabei helfen, das Risiko von Depressionen nach der Entbindung zu verringern. Zu viel Fürsorge kann unter Umständen jedoch das Gefühl des Versagens bei Betroffenen verstärken. In solchen Fällen ist professionelle Hilfe zu empfehlen. Leiden Frauen unter dem sogenannten „Babyblues“, dann reicht in der Regel eine unterstützende Beratung durch die Hebamme, den Frauen- oder Hausarzt. Auch die Unterstützung durch Angehörige kann hilfreich sein. Bei der Wochenbettdepression können Selbsthilfegruppen eine wichtige Rolle spielen sowie spezielle Mutter-Kind-Behandlungen von Psychotherapeuten. Mutig mit der eigenen Situation umgehen, Rat und Hilfe suchen und annehmen und den Kontakt zu Menschen suchen, sind gute Rezepte, um dem „Babyblues“ zu entkommen und sich unbeschwert dem eigenen Nachwuchs zu widmen.

Quellen & Infos: www.frauenaerzte-im-netz.de, www.beiallerliebe-verein.de

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